Mehr erleben...
...mit dem größten Tauschring Südbadens!
BATT 2012: Bundesarbeitstreffen der Tauschsysteme in Büdingen (Hessen)
Geschrieben von: R. Hartmann   

Auch wenn der Autor dieser Zeilen bislang kein Bundestreffen besucht hatte, lässt sich durch den Gesamteindruck sicher sagen, dass das diesjährige Bundestreffen der Tauschsysteme vom 28. 9. bis 3. 10. von einer hohen Professionalität geprägt war, aber auch von dem pragmatischen Wunsch, gemeinsam mehr zu erreichen. Durch die Fülle der einzelnen Vorträge und Arbeitsgruppen muss jeder Bericht selektiv ausfallen, aber hier soll dennoch versucht werden, einige der zentralen Aspekte des Treffens heraus zu arbeiten und vor allem den Nichtanwesenden einen Eindruck zu vermitteln.


Gutes Ankommen

 froschBesonders erfreulich war die beherzte Organisation des gastgebenden Tauschrings „Gib und Nimm Büdinger Land“. Für die per Zug Anreisenden stand schon am Bahnhof ein freundlicher Abholservice bereit. Vor Ort gab es eine Rezeption, an der man neben Details wie einer vorbereiteten Kordel mit Namensschild auch eine Tagungsmappe mit allen wichtigen Informationen in Empfang nehmen konnte – und als wäre das noch nicht genug, lagen auch noch ein einheimischer Bio-Apfel, Stift und Block sowie eine Art Wahrzeichen von Büdingen der reichhaltigen Willkommensgabe bei: Der Büdinger Frosch als Miniatur.

Nachdem die etwa 90 Tauschring-VertreterInnen aus ganz Deutschland die 6-Bett-Zimmer der örtlichen Jugendherberge bezogen hatten (und insgeheim auf einen geringen Schnarcher-Anteil hofften), stand neben dem Abendessen und nach der Begrüßung durch einen Vertreter des Lokalparlaments schon der erste Vortrag auf dem Programm. Rolf Schilling erzählte von den oft als mustergültig angesehenen Entwicklungen der Tauschbewegung in Vorarlberg und des Netzwerkes Zart für alle deutschsprachigen Tauschsysteme. So ging er vor allem auf die Verrechnungsstelle und auf die gemeinsame Plattform für überregionale Anzeigen ein, die wir bereits nach dem Arbeitstreffen in Dornbirn vorgestellt haben.

 

Insgesamt lässt sich wohl sagen, dass die österreichischen Erfolge aus Sicht des bundesdeutschen Tauschwesens manchmal zwiespältig beäugt werden. Manche sehen sie als Vorbild für die eigene Entwicklung, während sie andere als zu perfekt und vielleicht auch zu sehr an der „echten“ Wirtschaft orientiert wahrnehmen. Als Beispiel kann dazu vielleicht QUESU dienen, das ebenfalls Teil des Vortrags war. Hier handelt es sich um ein Tool zur Qualitätssicherung in Tauschringen. Benachbarte oder einfach befreundete Tauschringe (möglichst von ähnlicher Größe) können damit anhand eines umfangreichen Fragebogens ermitteln, wie weit sie in verschiedenen Organisationsbereichen schon entwickelt sind und wo eventuell noch Bedarf besteht. Neben den interessanten INTERREG-Projekten, die auch durch die europäische Union gefördert werden, ist dies sicher ein Instrument, das sich anzuschauen lohnt.


karteEin Lied und ein paar Regeln
Bevor es am nächsten Morgen richtig los ging, stand nach dem Frühstück erst mal ein gemeinsam geschmettertes Tauschring-Lied auf dem Programm. Der Text war überaus treffend und könnte vielleicht auch in lokalen Tauschringen und bei anderen Treffen ab und an gesungen werden. Der folgende Programmpunkt passte auch: Ein Profi führte in überaus amüsanter Weise in die wichtigsten Diskussionsregeln ein. Nur eine Minute zu sprechen und vor einer Antwort bis drei zu zählen, gehörten sicher zu den wichtigsten. An diesem Wochenende zum Einsatz kam aber auch manchmal das kollektive „Rollen“: Eine Art Regengeräusch mit den Fingern auf den Tischplatten, wenn ein Redebeitrag zu lang wurde oder zu wenig mit den Interessen des Plenums zusammen hing.
Derart mental vorbereitet konnte es schon in die Arbeitsgruppen gehen. Bei diesen ist von jeher die Frage der richtigen Mischung, was auch mit den unterschiedlichen Interessen der TeilnehmerInnen zusammen hängt. Manche interessieren sich noch für die Gründung eines Tauschrings oder klassische Fragen wie dem Umgang mit inaktiven oder verschuldeten Mitgliedern u. ä. Für „alte Hasen“ in ihren eigenen Tauschkreisen oder auf BATTs sind eher speziellere Themen interessant und auch die politische Weiterentwicklung der Tauschbewegung auf Bundesebene, die noch deutlich in den Kinderschuhen steckt. Hier soll ein gewisser Überblick über einige der wesentlichen Arbeitsgruppen gegeben werden.


Zentrale Informationen
Ein Mangel im Hinblick auf die deutsche Tauschbewegung ist sicher das uneinheitliche und desolate Bild im Netz. Es finden sich zwar viele Seiten, aber die meisten sind hoffnungslos veraltet und eine Unterscheidung zwischen nützlichen und mehr historischen Web-Informationen oft schwer. Manche Ansätze sind auch mit viel Elan von einzelnen Personen bei oder nach früheren BATTs erstellt worden, aber irgendwann wurde die Pflege eingestellt, was auch das Problem einer fehlenden Zentralstruktur der Tauschringe verdeutlicht.
Um diesem Dilemma zu begegnen, sollen einige Seiten quasi die offiziellen und zentralen Anlaufstellen zur Informationssuche sein. Dabei ist tauschwiki.de ähnlich wie Wikipedia die Wissensbasis für Tauschringe. Ob es um Fragen der Gründung geht, rechtliche Aspekte oder auch spezielle Aspekte wie die Rechtsform, Werbemaßnahmen oder die Corporate Identity: Im Tauschwiki soll alles stehen, was für TauscherInnen interessant ist. Dabei ist natürlich wichtig, dass wie bei Wikipedia die ganze Community mithilft und Berichte schreibt und vorhandene verbessert oder weiter entwickelt. Das könnte viel Arbeit in den regionalen Tauschringen ersparen helfen!
Ähnlich ist es mit den Listen zu einzelnen Tauschringen. Diese sollen nun zentral auf Tauschringadressen.de gepflegt werden. Dabei soll jeder Tauschring seine eigenen Daten aktuell halten. Dieser Ansatz wurde allerdings kontrovers diskutiert, da einzelne Tauschringe diese Pflege vergessen könnten oder auch gar nichts von der Plattform wissen oder zum Eintragen keine Zeit und Lust haben, so dass das Verzeichnis notwendig unvollständig bleiben könnte. Bevorzugt wurde also eine Mischung aus Pflege von einzelnen Systemen und Ergänzung, Prüfung und Aktualisierung durch die Administratoren der Seite. Nur so ließe sich bleibende Aktualität gewährleisten. Im Moment soll das auch durch die Adressdaten des BATT-Orga-Teams gewährleistet werden.
Mit batt-online.de wäre die dritte wichtige Info-Seite genannt. Dort sollen vor allem Informationen über die aktuellen Bundestreffen undDas Jerusalem-Tor in Büdingen voraussichtlich auch die Geschichte und das Archiv der bisherigen an einer zentralen Stelle gesammelt werden. Dabei müssen manche Fragen bezüglich der Trennschärfe und Zuständigkeit noch im Rahmen der weiteren Entwicklung geklärt werden. Aber es ist auf jeden Fall erfreulich, dass ein ernsthafter Versuch unternommen wird, die Informationen im Netz zu bündeln und auch in Zukunft aktuell zu halten. Dabei wird bei den verschiedenen Angeboten auch darauf zu achten sein, dass sich offene Teams um ihre Umsetzung kümmern und nicht Einzelpersonen, bei denen das Engagement aller Erfahrung nach auch in ein paar Jahren wieder nachlassen kann. Toll war auf jeden Fall, dass die Administratoren der genannten Angebote vor Ort waren und in kleinen Vorträgen die wichtigsten Punkte vorstellten und zur Diskussion und Mitarbeit einluden. Und auch in den Pausen diskutierten mehr oder weniger Technik- und Internetbegeisterte TeilnehmerInnen über die Webpräsenzen der Tauschszene und ihre mögliche Weiterentwicklung. Wichtig schien dabei vor allem, dass der langfristige Erfolg der genannten Seiten von ihrer Nutzung abhängt und von der häufigen Verlinkung – während auf veraltete Webangebote nicht mehr verwiesen werden sollte.


Grenzenlos tauschen…?
Ein weiteres Thema von überregionaler Bedeutung waren die verschiedenen Möglichkeiten zur Verrechnung. Denn die Tauschidee gewinnt besonders mit einem wachsenden Angebot und das kann einfach größer werden, wenn auch mit Nachbartauschringen oder auf Reisen bequem getauscht werden kann. Problematisch ist dabei bisher noch immer die Buchung der Talente oder Zeiteinheiten und auch die Informationen über die Angebote sind oft gar nicht bekannt. Neben dem Zart-Netzwerk wurden innerhalb eines Workshops vor allem der bereits lange aktive Ressourcen-Tauschring (RTR) und Across-Lets vorgestellt. Bei Zart ist sicher die Besonderheit, dass es neben vielen Tauschkreisen in Süddeutschland vor allem Österreich und die Schweiz umfasst und eine richtungsweisende Funktion eingerichtet hat, um die überregional interessanten Inserate zentral auszutauschen. Im RTR sind sehr viele deutsche Tauschringe Mitglied und so war es interessant, dem geschichtlichen Überblick von Dörte Müller zuzuhören. Der Vorteil bei einer Clearingstelle besteht besonders darin, dass sich die möglichen Ungleichgewichte zwischen zwei Tauschringen durch Tauschgeschäfte mit Dritten wieder ausgleichen könnten. Der Nachteil ist immer ein hoher Aufwand und das Unwissen über mögliche Angebote. Dass im Moment beim RTR nur etwa 1-10 Tauschaktionen im Monat stattfinden, zeigt, welches Entwicklungspotential in diesem Bereich noch vorhanden ist. Dankbar ist dabei die von Dorina Schlupper vorgestellte Initiative, bei der sie vor allem Übernachtungs- und andere touristisch interessante Angebote sammelt und zentral veröffentlicht. Schon allein da sie bei einem Markgräfler Tauschring, aber auch bei uns Freiburgern und in München Tauschringmitglied ist, decken die Inserate eine gute Bandbreite ab. Das Portal Across-Lets, das Lutz Jaitner mit ihr vorstellte, ist von daher etwas anders organisiert, dass nicht ganze Tauschringe Mitglied werden, sondern vor allem einzelne Personen. Dadurch lassen sich Geschäfte unkompliziert abwickeln, aber man weiß nicht genau, mit wem man es zu tun hat (es können auch einfach Internet-Nutzer ohne Tauschring-Bezug dabei sein). Lutz Jaitner erläuterte auf jeden Fall, dass mit diesem System viele Funktionen wie eine Zeitbank-Vorsorge, ein Grundeinkommen u. ä. einfach realisierbar seien. Man könne nicht ins Minus gehen, erhalte aber ein Startguthaben sogenannter „Crossys“ (12 Crossys sind eine Stunde).
Insgesamt ist natürlich in diesem Bereich die Vielfalt einerseits anregend, andererseits auch teilweise unübersichtlich. Deshalb war vor allem zu begrüßen, dass sich die verschiedenen Anbieter weiter austauschen wollen, damit das überregionale Tauschen noch einfacher wird und sich vor allem die geeigneten Angebote leichter finden lassen. Für den Fall, dass ein Tauschsystem nicht in einem Clearingssystem ist, kommt neben dem Eintritt in ein solches auch immer noch das Brückenkonto in Frage, das in einem anderen Workshop als gute Möglichkeit gelobt wurde, wobei der Referent ein Brückenkonto für alle Außenkontakte empfahl.


mappe-frogRecht und Gemeinnützigkeit
Ein Thema wird beim Tauschen oft vernachlässigt, da einerseits das Wissen fehlt, andererseits passt es nicht zur Vorstellung von spontanen und nachbarschaftlichen Beziehungen: die jeweilige Rechtslage. Meistens spielt das auch keine größere Rolle, aber spätestens, wenn z. B. bei einem Einsatz als Haushaltshilfe etwas kaputt geht und keine Haftpflichtversicherung vorhanden ist, kann das zu einem Rechtsstreit und unerwarteten Kosten führen. Neben solchen Fällen ist oft unklar, wie die Tauschgeschäfte beim Finanzamt zu handhaben sind und was man tun soll, wenn man Sozialleistungen erhält. Manche dieser Punkte lassen sich mit dem gesunden Menschenverstand herleiten, aber da sich Gesetze auch ändern können, herrscht vor Ort oft eine Unsicherheit, wie solche Anfragen beantwortet werden sollen. Aus diesem Grund hat sich schon beim vorigen BATT ein Arbeitskreis formiert, der diesen Rechtsfragen sukzessive auf den Grund gehen will. Die Ergebnisse werden wir dann natürlich auch in komprimierter Form unseren Mitgliedern zugänglich machen.
In einem weiteren Arbeitskreis stand das Thema Gemeinnützigkeit auf der Tagesordnung. Hier waren sich alle Anwesenden einig, dass Tauschringe ihrem Wesen nach gemeinnützig sind. Denn wo sonst wird die Nachbarschaft gestärkt und bürgerschaftliches Engagement so gefördert? Auch die Möglichkeiten zur Verwirklichung, aber auch zur Inanspruchnahme von Hilfen für sozial schlechter gestellte Menschen sind sicherlich beispielhaft. Dennoch haben die Oberfinanzdirektionen im Jahre 2001 festgestellt, dass Tauschsysteme nicht gemeinnützig sein könnten. Sie behaupteten, die Voraussetzung der Selbstlosigkeit sei nicht gegeben und es würden vielmehr eigenwirtschaftliche Interessen verfolgt. Seither ist es also nicht möglich, die Gemeinnützigkeit zu erhalten, wenn Begriffe wie Zeitbörse oder Tauschkreis usw. in der Satzung auftauchen. Um gemeinnützig zu werden, muss man also den ideellen Teil, bei dem das Gemeinwohl im Mittelpunkt steht, abtrennen und in einen eigenen Verein auslagern. Bei diesem sollten in der Satzung vor allem die selbstlosen Ziele wie die Unterstützung älterer (Zeitbank) oder bedürftiger Menschen, Nachbarschaftshilfe oder die Bildung und Forschung zu Wirtschaftsthemen im Mittelpunkt stehen. Wichtig ist dabei, dass die alleinigen Worte nicht unbedingt ausreichen, sondern auch Projekte und Aktionen vorliegen sollten, die diese Anliegen eindeutig verfolgen. Unter den TeilnehmerInnen kam deshalb teilweise die Frage auf, wozu das Ganze gut sei. Denn ein Tauschsystem mit wenigen Mitgliedern und kaum nennenswerten Kassenbewegungen ist von solchen Überlegungen kaum betroffen. Aber ab ca. 100-150 Mitgliedern wird die Steuererklärung mit der Gemeinnützigkeit wesentlich vereinfacht, es sind absetzbare Spenden möglich und auch die sogenannte Übungsleiterpauschale kann an HelferInnen steuerfrei ausbezahlt werden. Wie ein Teilnehmer erklärte, ist auch die Gründung eines Vereins nicht unbedingt nötig, um die Gemeinnützigkeit zu erreichen. Aber gerade bezüglich der Feinheiten lohnt sich auch bei diesem Thema professionelle Unterstützung. Einen ersten Überblick kann die Broschüre „Steuertipps für Vereine“ des bayerischen Finanzministeriums geben, die im Großen und Ganzen auch in anderen Bundesländern gelten dürfte.


Kuchen und Feuerschein
Neben den intensiven und gezielten Arbeitskreisen kam natürlich das spontane Gespräch mit den vielen angereisten TauschfreundInnen aus verschiedenen Ecken Deutschlands nicht zu kurz. Gerade die Frage, wie mit dem einen oder anderen Problem bei unterschiedlichen Tauschvereinen umgegangen wird, war oft sehr informativ. Aber auch mit den „Profis“ von verschiedenen Web-Portalen oder Tauschplattfomen ließen sich viele Ideen austauschen. Die Büdinger hatten für diesen Zweck eine perfekte Basis geschaffen. So gab es für sehr günstige Preise Unmengen von selbst gebackenen Kuchen, Knabbereien und Getränke, die zwischen den leckeren Mahlzeiten zur Stärkung dienten. Damit nicht genug wurde auch ein nettes Programm auf die Beine gestellt, das von einer originellen Stadtführung durch Büdingen über eine Singveranstaltung bis hin zu entspannenden Spaziergängen reichte. Am zweiten Abend brannte dazu ein großes Lagerfeuer hinter der Jugendherberge und lud zu langen Gesprächen nicht nur über das Tauschen ein. Insgesamt glaubte man es, als ein von vielen Bundestreffen erfahrener Tauscher am letzten Morgen sagte, dass das in Büdingen das bislang beste gewesen sei.
Wichtig zu erwähnen ist auch ein weiteres Novum: Das BATT-aktiv. Da die Freiburger Delegation am Sonntag schon wieder abreisen musste, konnte sie leider nicht mehr dabei sein. Die Idee ist auf jeden Fall, dass die einzelnen beim BATT oder schon zuvor aufgegriffenen Ideen von kleineren Arbeitsgruppen weiter vertieft und ganzjährig verfolgt werden. Beim ersten BATT-aktiv blieben noch etwa ein Drittel der TeilnehmerInnen vor Ort und konnten die Themen noch bis Mittwoch weiter bearbeiten, so dass das eine oder andere noch konkreter gemacht oder sofort umgesetzt werden konnte. Viele der Ergebnisse wurden gleich im Tauschwiki zusammen getragen. Bei den AGs sind natürlich alle Interessierten willkommen!

 

Zeitbank und Autos teilen
Durch den angenehmen Rahmen und die vielen Menschen mit ähnlichen Interessen entstand nicht nur eine positive Stimmung, sondern es ergaben sich auch viele Anregungen. So erzählte des Abends am Lagerfeuer ein älterer Teilnehmer, dass es Anfang der 80er nach den Protesten gegen Fahrpreiserhöhungen, die auch Freiburg erfassten, ein spontanes Mitfahrsystem gegeben habe, bei dem Menschen mit einem roten Punkt in der Windschutzscheibe andere einfach mitnahmen. Diese Idee wollten sie nun wieder in einem Büdinger Nachbartauschkreis beleben.
Am nächsten Morgen stellte eine Tauscherin, die abends noch ergreifende Lieder am Feuer gesungen hatte, diese Idee aus einem oberbayrischen Tauschkreis dem Plenum vor. Mit einem einfachen Buch kann jeder Mitglied werden – ob man nun in einem Tauschring ist oder nicht – und die mitgenommenen oder mitgefahrenen Kilometer werden ähnlich wie alle anderen Tauschleistungen einfach verrechnet. Mitfahr-Tausch, eine nette Idee, bei der sich mitzumachen sicher lohnt!
Ein weiterer Teilnehmer war angereist, um die Idee der Zeitbank zu propagieren. Dieses System bedeutet eine Vorsorge für das Alter, indem Talente oder Zeiteinheiten angespart werden können und später im Alter zur Verfügung stehen, um selbst nötige Hilfs- oder Pflegeleistungen zu nutzen. Der Referent war schließlich selbst überrascht, dass dies bei vielen Tauschringen schon Wirklichkeit ist, auch wenn sich manche Fragen oder Feinheiten wie der Umgang mit den stark ins Plus laufenden Konten oder auch das Funktionieren der zeitlich quasi verschobenen Gegenleistung in der Realität erst noch klären müssen.


Leitlinien und der Weg zu einer Bundesstruktur
Symptomatisch ist bei der Tauschbewegung bis heute, dass sich auch in fast zwanzig Jahren aus den Bundestreffen keineschrift verbandsähnliche Organisation gebildet hat, die z. B. die jährlichen Treffen organisiert, sich insgesamt um einen besseren Austausch, Beratungen, die Archivierung von Informationen usw. kümmert. So werden die BATTs bis heute oft durch den persönlichen Einsatz weniger Engagierter auf die Beine gestellt, die alle Reisekosten usw. aus ihrer eigenen Tasche aufbringen müssen und für die Zeit meistens keinen Ausgleich erhalten. Dadurch oder auch aus anderen Gründen stellen viele ihre Bemühungen irgendwann ein und die neuen Aktiven müssen ähnlich wie bei den anfangs genannten veralteten Webseiten mit allem von vorne beginnen.
Um dieses „Wir“ einmal mehr zu stärken, wurden in einem Workshop gemeinsame Leitlinien für die Tauschringe besprochen, wobei ein Referent einen Vorentwurf erarbeitet hatte. In der folgenden Diskussion zeigte sich einmal mehr, warum es in den Jahrzehnten zuvor für eine Bundesstruktur keine nennenswerten Fortschritte gab. Denn ein Teilnehmer wollte auf jeden Fall die Gleichwertigkeit der getauschten Zeit aufgenommen wissen, obwohl dies offenbar kein gemeinsames Merkmal der Tauschbewegung ist, da etwa ein Drittel der Tauschsysteme ihre Mitglieder den Wert jedes Tauschhandels selbst bestimmen lassen.
Es bleibt zu hoffen, dass sich hier ein größerer Pragmatismus durchsetzt, so dass in den nächsten Jahren hoffentlich eine bundesweite Einheit zur Organisation der Bundestreffen, aber auch als Anlauf- und Koordinierungsstelle aufgebaut werden kann. Es gab auch zu diesem Thema einen Workshop, aber die entsprechenden Moderatoren verwiesen dabei auf einen bestehenden Verein, dessen Funktion, Geschichte und personelle Zusammensetzung den Anwesenden nicht deutlich vermittelt werden konnten, so dass noch nicht ganz klar ist, ob er sich als eine Art Interessenorganisation der Tauschsysteme eignet –auch wenn er wenigstens bereits die Gemeinnützigkeit hat.


Nach dem BATT ist vor dem BATT
Diese guten Ideen sollten aber vor allem auch von uns aus Freiburg unterstützt werden. Aus diesem Grund meldeten sich unsere Teilnehmer, Jörn-Derek Gehringer und Romin Hartmann, für die Arbeitsgruppen für das nächste BATT, aber auch bezüglich des Aufbaus einer künftigen Interessenorganisation. Wo das nächste BATT stattfindet, ist noch nicht ganz klar, aber eventuell wird es wieder in Büdingen veranstaltet. Die inhaltliche Gestaltung wird wieder eng mit den Tauschkreisen vor Ort abgestimmt, aber im Moment sieht es so aus, als ob die Themen Recht und Datenschutz eine größere Rolle spielen könnten.
Der Termin ist vermutlich wieder um den 3. Oktober. Jeder und jede sollte sich fragen, wie er oder sie das BATT unterstützen kann. Entweder als einfache(r) Besucher(in) oder auch bei der Planung und Vorbereitung. Sehr erwünscht sind auch Spenden in Form von Zeit, die über den RTR oder auch das Zart-Netzwerk abgerechnet werden können, oder auch Geld!
Die vollständigen Ergebnisse werden noch nach und nach auf die BATT-Online-Seite und ins Tauschwiki gestellt werden. In diesem Bericht wurde nur schlaglichtartig auf einige Workshops Bezug genommen. Daneben ging es auch noch um Themen wie die Werbemöglichkeiten eines Tauschrings oder auch die Grundlagen für eine Gründung und einiges mehr. Es lohnt sich also, schon früh die eigenen Interessen einzubringen oder ein BATT selbst zu besuchen. Auf dass es 2013 wieder ein ähnlich erfolgreiches und schönes Bundesarbeitstreffen der Tauschsysteme geben möge!