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Schweizer Tauschforum 2014
Geschrieben von: R. Hartmann   

Am Freitag, den 25. April, fand in Zürich das Schweizer Tauschforum 2014 statt. Viele Tauschkreise reisten an und hörten einen Vortrag über ein genossenschaftliches Wohnprojekt mit integriertem Tauschring und diskutierten die Idee einer Dachmarke für die Tauschsysteme der Schweiz.

Nachdem die Tauschforen in den letzten Jahren in Luzern abgehalten wurden, versammelten sich diesmal die Vertreter und Vertreterinnen von elf Schweizer und zwei ausländischen (Deutschland und Österreich) Tauschsystemen im Zentrum Karl der Große in Zürich.Zentrum-Karl-der-Grosse

Den Anfang machte ein Impulsvortrag von Jens Martignoni. Im Rahmen eines Forschungsauftrags hat er für die Fachhochschule Nordwestschweiz in Zusammenarbeit mit dem Verein Flexibles das innovative genossenschaftliche Wohnprojekt „Mehr als Wohnen“ in Zürich (Hunziker Areal) mit dem Vorschlag einer Komplementärwährung begleitet. Dieses Quartiergeld soll den größeren Wirtschaftsraum der Landeswährung und letztlich Weltwirtschaft mit dem der Freiwilligenarbeit vor Ort verbinden. Das Konzept sieht dabei vor, dass alle Bewohner des Wohnprojektes auch Teil des Komplementärwährungssystems werden. Dies begründete Martignoni mit dem Umstand, dass auch in der realen Wirtschaft viele Umstände ungefragt akzeptiert werden müssen. Würde man die Teilhabe am Projekt freistellen, wäre eventuell nur mit einer begrenzten Teilnahme zu rechnen, was den durchschlagenden Erfolg gefährden könnte.

 

Sonniger-AustauschNeben einer Ausgabestelle sieht das Modell eine Anrechnungsstelle für die Beiträge (Taxen) von Bewohnern und Gewerbebetrieben vor und ein Job-Center der Genossenschaft. Grundsätzlich können Bewohner letztlich das machen, was ihnen ohnehin Spaß macht. Mit der Zeit ist vorstellbar, dass Aufgaben in der Verwaltung, aber auch im Garten oder der Hausreinigung von Bewohner im Rahmen des Quartiersgeldes versehen werden. Daneben können aber auch Läden entstehen oder Dienstleistungen wie Kinderbetreuung und Malkurse usw. Mittelfristig wäre so denkbar, dass sogar die Nebenkosten in Franken sinken, wenn die dahinter stehenden Aufgaben in Quartierswährung erledigt werden. Allerdings müssten dann auch alle Bewohner in der einen oder anderen Weise das Quartiersgeld erwirtschaften.

Das Modell hat auf jeden Fall große Ähnlichkeit mit einem Tauschring, aber auch bestehenden Zweitwährungen. Beim Vergleich mit vorhandenen Systemen erschienen die angenommenen Transaktionen und das vermutete Umsatzvolumen relativ hoch angesetzt. Ein Wermutstropfen war zum Schluss die Erwähnung, dass die Verantwortlichen der Baugenossenschaft die zukünftigen Bewohner erst über den Vorschlag abstimmen lassen wollen – eventuell um mögliche Wohninteressenten nicht abzuschrecken. Das könnte zu einer Ablehnung führen oder dazu, dass doch nur ein kleinerer Teil der Mieter teilnimmt und somit den Effekt des ambitionierten Planes abschwächt.

Nach diesem anregenden Impuls und einem Austausch darüber stellten sich die Anwesenden vor und anschließend wurde das Thema des Nachmittags mit einem weiteren Impulsvortrag vorbereitet. Dr. Reinhold Harringer präsentierte das Modell einer Dachmarke für die Schweizer Tauschkreise. Dabei wagte er den Vergleich mit Symbolen wie dem M von Metro oder dem Kreuz des Roten Kreuzes und skizzierte die Idee einer gemeinsam auszugestaltenden Marke, die schweizweit für das Tauchen und die angeschlossenen Systeme steht. Neben der gemeinsamen Symbolik wären damit auch gewisse Anforderungen an die Qualität oder organisatorische Grundstandards der verschiedenen Tauschsysteme verbunden. Nachdem Reinhold Harringer, der auch für die Schweizer Vollgeld-Initiative eintritt, geendet hatte, war Zeit für das Mittagessen, das in einer „Teilet(e)“ bestand. Alle hatten etwas zum Buffet beigetragen, so dass auf der sonnigen Außenterrasse ausgiebig gegessen und in der großzügig bemessenen Zeit mit den anderen Gästen debattiert werden konnte.

 Mittagessen

Nachmittags moderierte Ruth Nieffer aus Chur dann souverän die Diskussion. Dabei galt es zuerst mit einem Kleber die Frage zu beantworten, ob eine Dachmarke ein Hindernis für die weitere Kommunikation unter den Tauschkreisen sei. Da dies mit starker Mehrheit verneint wurde, war klar, dass man weiter über die Idee einer besseren Verknüpfung und Außendarstellung der Schweizer Tauschsysteme nachdenken konnte. Dazu wurden die möglichen Vorteile und Risiken auf Flipcharts gesammelt und die Listen wurden schnell relativ lang. In der Diskussion zeigte sich auch, dass die Vorstellung der Idee einer „Dachmarke“ noch recht vage oder auch bei den Anwesenden unterschiedlich war. Ruth Nieffer benutzte deshalb häufiger das Bild einer Wolke oder sammelte auch bildhafte Ausdrücke wie Kronleuchter, die das gemeinsame Ziel umreißen helfen sollten.

Vergleichbar wahrscheinlich mit Deutschland zeigte sich eine gewisse Skepsis gegenüber Vorstellungen, die unter dem Begriff „Verband“ durch den Raum schwebten. Hier fürchteten wohl viele Bürokratie oder auch einen Verlust von Unabhängigkeit. Eine bessere Zusammenarbeit schienen dagegen aber alle erstrebenswert zu finden. So wurde z. B. als Chance genannt, dass die Vielfalt erhalten bleibe und ein gemeinsamer Nenner gefunden werde. Schließlich bildeten sich drei Teams, die schon überlegten, was die Leistungen sein könnten, worin der gemeinsame Nenner bestehen würde und wie man das Spannungsfeld von Einheit und Vielfalt ausgestalten könnte. Dabei kamen schon einige Ideen zum Tragen, wobei neben einem Logo auch die Sammlung von Wissen als wichtig angesehen wurde oder ein gemeinsamer Webauftritt, wobei sich zeigte, dass es Vieles auch in Ansätzen schon gibt. Unklar blieb, ob man zwischen zeit- und währungsbasierten Systemen unterscheiden müsse bzw. die Regel der Verrechnung von einer Stunde gegen eine Stunde zum Grundsatz machen und auch für die Finanzierung gab es nur erste Ideen. Einig war man hingegen, dass die Dachmarke für die ganze Schweiz gelten sollte, auch wenn nur deutschsprachige Tauschsysteme anwesend waren.

Zu guter Letzt wurde nochmals mit Klebepunkten abgestimmt und zehn Anwesende waren für eine Verfolgung der Idee, sechs waren unentschieden und nur zwei dagegen, so dass sich gleich ein paar Personen in eine Liste eintrugen, um die Idee weiter zu verfolgen. Für die Ausrichtung des Tauschforums im kommenden Jahr bot sich gleich die Moderatorin Ruth Nieffer an und lud zur „Ziitbörsa“ nach Chur ein. Das kann dann vielleicht darüber hinweg trösten, dass die Sunflower-Foundation ihre bisherige organisatorische und finanzielle Unterstützung der Treffen einstellt.

Ruth-Nieffer