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...mit dem größten Tauschring Südbadens!
Batt 14 - Erlebnisbericht von Anke PDF Drucken E-Mail

So war`s in Freiburg

ein (sehr laaanger) Bericht von Anke aus Düsseldorf - Juni 2014
Meine ersten Erfahrungen bei einem Tauschring-Kongress beim Bundes Arbeits-Treffen der
Tauschringe BATT-Aktiv 2014 in Freiburg vom 28.5. bis 1.6.2014.
Aus Düsseldorf waren Erika, Lika und ich angereist....
Diesmal hatte der Talente-Tauschring Freiburg zum Kongress mit dem Motto „Tauschen in Europa“
eingeladen und ein Organisations-Team hatte den 5-tägigen Kongress vorbereitet und begleitet.


Etwas über den Aufbau, den schönen Ort und erste Kontakte
Poster auf Wegschildern, gebastelt aus umgedrehten Werbeplakaten der gerade vergangenen Wahl,
wiesen mir den Weg von der Straßenbahnhaltestelle zur Michael-Schule, einer Waldorf-Schule mit
heilpädagogischem Hintergrund.


Am Mittwoch Nachmittag war Aufbau und Ankunft und so wurde in der Eingangshalle zu Beginn
die Rezeption aufgebaut.
Zunächst war sie mit Elisabeth vom Münchener Tauschring besetzt, die sehr freundlich und offen
war, und alle Fragen rund um den Kongress und die bundesweite Tauschring-Szene beantwortete.
Bundes-Arbeits-Treffen werden überregional organisiert. Auf diese Weise wird das Team des
Tauschrings vor Ort unterstützt.
Dorina, Lutz und viele andere Leute vom Münchener, Büdinger und anderen Tauschkreisen halfen
dabei mit, das Küchenteam zu organisieren und viele Vorarbeiten zu leisten.
Es ist eine tolle Leistung, welch wunderbares Programm die Freiburger durch Romin, Klaus, Franz-
Albert, Helena, Ursula und viele mehr für uns entwickelt haben.
An der Rezeption bekam man einen Umschlag mit einem Schlüsselband und einem Namensschild
mit dem Herkunfts-Tauschring, einem Stadtführer von Freiburg, Werbe-Block und Werbe-Stift, der
ausgedruckten Einladung mit der Programmübersicht, ausgedruckte Fahrpläne und allerlei mehr.
Hier konnte man sich auch nach Raumänderungen und mehr erkundigen.
(An dieser Stelle will ich nochmal erwähnen: ...ich bin auch im Gib & Nimm-Tauschring Wuppertal
(ganz ohne Währung) und dem Tauschring Rhein-Westerwald (mit bedingungslosen
Grundeinkommen). Hatte ich irgendwie vorher nicht richtig angegeben. Ich hab` das dann noch
nachgetragen, auf meinem Namenschild...)
Unterschiedliche Karaffen mit aromatisiertem Wasser mit Zitronenmelisse, Minze und
Zitronenscheiben und Becher standen an der Rezeption kostenlos zur Verfügung. Flaschen mit
Sprudelwasser und Saftschorlen konnte man dort kaufen.
Ein Book-Crossing-Büchertisch und ein Tisch für Bücher zur Ansicht wurden in der Nähe
aufgebaut.
Eine halbe Etage höher befand sich ein Verschenke-Tisch.
Gelegen ist die Michael-Schule in einem Park mit sehr altem Baumbestand. Er dient den Schülern
als Aufenthaltsort für Pausen. Sie pflanzen dort Gemüse an und es gibt eine kleine Obstbaum-Wiese
sowie Kletter-Bäume mit Kletterseilen, Bänken und Spielbereiche.
Die Schönheit des Hauses und des Ortes kann hier leider nur annähernd wiedergegeben werden
Schon beim ersten gemeinsamen Essen am Abend im Kellergewölbe lernte man Menschen aus
unterschiedlichen Tauschringen kennen.
Die Lebensmittel für das Essen waren zum Teil über Food sharing und von den Lebensmittelrettern
organisiert worden.
Sie retten alles, was noch gut essbar ist und von den Geschäften sonst weggeworfen würde.
Von der Münchener und Markgräfler Küchen-Crew Sieglinde, Lena und ihrem Lebensgefährten und
Helfern wurde auf alten Gasherden im Dauereinsatz gekocht – vegane und vegetarische Vorlieben
und auch Gluten-Empfindlichkeiten wurden für uns berücksichtigt.
(Zum Schluss der Veranstaltung planten sie dann, gemeinsam ein Restaurant aufzumachen....)
Beim Essen traf ich Rolf aus Bremen, der eine umfangreichte englischsprache Biobliothek mit 1400
Quellen für Tauschsysteme gesammelt hat (www.cc-literature.de).

Anton aus Landsberg hat eine gute Vernetzung in seiner Region und lebt (fast) ohne Geld. In
Erzählungen bekam man viele Eindrücke und Ideen, z.B. über Internet- und Telefon-sharing.
Drei besonders nette Menschen aus dem Westerwälder Tauschring waren da. Sie dehnten ihr
Tauschring-Gebiet vor zwei Jahren bis nach Düsseldorf aus, als Erika und ich dort eingetreten sind.
Ihr Tauschring ist ein schönes Beispiel, um das System „Bedingungsloses Grundeinkommen“ auf
Tauschringebene kennenzulernen.


Einblicke in verschiedene Tauschringe, Start des Kongresses und was es für
Tauschring-Software gibt
Mein Eindruck ist, dass Tauschringe, die über den Tauschprozess hinaus positiven Einfluss auf die
Region nehmen wollen, besonders erfolgreich sind.
Sunyela und Jürgen von der Zeitbörse Königsbrunn (www.zeitbörse-königsbrunn.de) z.B. erzählten
von ihren Fahrdiensten gegen Tauschwährung für die ältere Bevölkerung, für die sie in
Königsbrunn ein Carsharing-System eingerichtet haben. Zwei von den fünf Fahrzeugen wurden
ihnen von der Stadt dafür zur Verfügung gestellt.
Auch richtete ihr Tauschring ein wöchentlich stattfindendes Café für die ältere Bevölkerug in einem
Mehr-Generationen-Haus ein, für das Tauschring-Mitglieder Kuchen gegen Tauschwährung backen
können. So haben sie auch eine zusätzlichen Ort als Möglichkeit für ihre Treffen.
Auch der Tauschring Markgräfler Land (http://www.tauschring-markgraeflerland.de/) mit 12 Unter-
Tauschringen zwischen Freiburg und Basel gelegen, versteht sich als Tauschring für die Region und
hat damit große Erfolge.
Beide Tauschringe machen zu Anfang bzw. Ende ihrer Treffen eine Runde, die auch schon mal
etwas länger dauern kann. Die Teilnehmer können dann ihre Bedürfnisse und Angebote nennen. Ich
habe... ich brauche... ich suche... und wer kann mir helfen...
Nach einem gemeinsamen Plenum und Einführung am ersten Abend durch Romin, Klaus und
Franz-Albert vom Freiburger Tauschring mit einer Ideensammlung für die Arbeitsgruppen der
nächsten beiden Tage und die Einigung auf verschiedene Kommunikationsregeln in den Gruppen,
ging es los.
Übersetzer für die aus Frankreich und Griechenland angereisten Gäste wurden gefunden.
Eine gute Übersicht über alle Arbeitsgruppen und alles, was beim Kongress so los war, bekommt
ihr, wenn ihr euch die Einladung anschaut:
http://batt-aktiv.de/agenda_2014.html
Die Funktionen deutschsprachiger Software wie Obelio, Cyclos und Tauschen-ohne-Geld und
überregionaler Abrechnungssysteme wie RTR, Across-Lets und Zart wurden analysiert, verglichen
und neue Fassungen vorgestellt. An technischen Vernetzungen für eine bessere gemeinsame
Übersicht der überregionalen Angebote wurde gearbeitet.
Tom vom Tauschring Büdinger Land sucht noch Menschen, die gemeinsam daran arbeiten, ein
zusätzliches Tauschring-Portal zu entwickeln, dass widerstandsfähiger gegen Ausfälle ist und nicht
nur zentral, sondern in Bereichen auch von den einzelnen Tauschringen direkt geführt wird.
Dieser Link führt zu seiner Initiative Eichhörnchen.
Wer sich interessiert, kann mit ihm über seine email-Adresse Kontakt aufnehmen:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


Möglichkeiten durch Vernetzung mit der Stadt
und das Jubiläum des
Freiburger Talente-Tauschrings
Der Freiburger Tauschring ist gut vernetzt in der Stadt. Besonders merkte man das an den
Referenten für die Vorträge und Workshops, die am
Samstag und Sonntag rund um die Themen wie
Fundraising, gewaltfreie Kommunikation, Moderations-Techniken uvm. stattfanden.
Viele der Referenten geben auch Workshops im Treffpunkt, dem Freiburger Initiativenhaus, das
kostenlos Räume, Workshops und Beratung für die Bevölkerung und ihre Initiativen zur Verfügung
stellt (www.treffpunkt-freiburg.de)
Ich habe (fast) verstanden, wie das sehr instabile Bankensystem aufgebaut ist. Thomas Betz aus
Berlin von der www. monetative.de erklärte, warum wir unbedingt das Vollgeld brauchen und wie
über die Giralgelder von den Banken ungedecktes Geld in Umlauf gebracht wird.
Am Samstag fand auch das Fest „20 Jahre Jubiläum Talente-Tauschring Freiburg“ statt.
Tagsüber gab es einen Markt mit Ständen im Freien rund um das Thema „Solidarisches
Wirtschaften“, bei dem gegen verschiedenen Tauschring-Währungen, aber auch gegen Euro
getauscht werden konnte.
Die Garten-Coop mit ihrem solidarischen Landwirtschafts-Projekt (die CD kann bei mir
ausgeliehen werden), die Lebensmittelretter/foodsharing-Gruppe Freiburg, Künstler, Teilnehmer mit
Flohmarktständen und Heilpraktiker, die sich mit den heilsamen Kräften von Tautropfen
auskannten, nahmen teil und informierten über ihre Projekte....
Ich konnte leider immer nur kurze Stippvisiten zu dem Markt machen, da vormittags und
nachmittags an allen Tagen je 3-4 Veranstaltungen gleichzeitig stattfanden.
So verpasste ich leider auch viele interessante Vorträge.
Wie gründet man eine Energiegenossenschaft? Was haben die Schweizer alles an interessanten
Systemen entwickelt und auch den Vortrag der Österreicher über den Tauschring Vorarlberg bleibt
für mich weiter eine Wissenslücke.
Aber über eine weitere gute Vernetzung werden die Themen vielleicht nicht immer im Dunkeln
bleiben...
Manche Vorträge waren aber auch als Einzeltermin angesetzt, z.B. die Veranstaltung über das
französische Übernachtungsnetz Route de Sel und diese fanden dann in der Aula statt.
Ein Einzeltermin war natürlich auch am Samstag Abend das Jubiläums-Fest für den Freiburger
Tauschring in der kleinen Aula unter dem Dach - ein Fest mit vielen Tauschring-Künstlern.
Zum 20-jährigen Jubiläum moderierten, tanzten, musizierten und sangen die Mitglieder und
Freunde des Freiburger Tauschrings.
Chansons, Geigenmusik, Bauch- und andere Tänze... Der Bettler-Chor sang bezaubernde
sozialkritische- und Arbeiterlieder - und stimmte auch in das Gib & Nimm-Tauschring-Lied ein:
http://batt-aktiv.de/gib_und_nimm_lied.mp3
Besonders interessant: die eröffnende Rede des sozialen Büurgermeister: "Wir sind auf dem Weg in
eine Bürgergesellschaft..." Ich hoffe, dass wir die Rede auch noch schriftlich bekommen.
Um sich während des Kongresses auszuruhen, wurde ein Ruhezimmer eingerichtet, das mit
Matratzen und Liegen ausgestattet war.
Für unseren Kongress diente auch der hintere Bereich des Parks zusätzlich als Ruhezone.
Als kleine Kritik: sehr schön wäre gewesen, es hätte direkt vor Ort Übernachtungsmöglichkeiten für
einige Menschen mit Gehproblemen gegeben, auch der Aufzug hätte für diese Fälle dauerhaft
freigegeben sein können. Leider war das vor Ort nicht mehr zu organisieren. So wurde der
Aufzugschlüssel treppauf und treppab so schnell wie möglich von der Rezeption zum Dachgeschoss
und wieder zurück befördert.


Die Gäste aus dem Ausland und Gedanken, was ich mir über den Tellerrand
hinaus so wünschen würde
Gemäß dem Motto des Kongressen „Tauschen in Europa“ waren auch Gäste aus Frankreich, der
Schweiz, Österreich und Griechenland zum Kongress gekommen.
Die Franzosen machten Vorträge zu ihren Tauschringen, SEL genannt, und ihrer Route Selidaire,
die ein Netz von Übernachtungsmöglichkeiten für eine Stunde Tauschwährung pro Nacht anbietet.
Die Griechen hielten den Abschlussvortrag und berichteten von ihrem regionalen Tauschring TEM
rund um Valos.
Sie fingen 2010 einfach damit an, in ihren Parks Stände aufzubauen und zu tauschen. Dann
bekamen sie über die Universität zwei Gebäude, die sie renovierten und in denen zweimal in der
Woche geöffnet ist. Dort findet Beratung und Nachbarschaftshilfe statt. Menschen aus dem
Tauschring kochen gegen Tauschwährung und alle ohne einen Computer können dort ihre Tausch-
Buchungen machen.
In einem der Gebäude leben auch bis zu fünf Menschen ohne Obdach. Noch stark verankert in ihrer
Kultur ist die gegenseitige Hilfe.
Etwas über das Tauschring-Netzwerk mit inzwischen 1350 Menschen habe ich hier gefunden: http://www.sein.de/news/2012/april/die-regionalwaehrungen-in-griechenland-wachsen.html


Mein Fazit vom Kongress:
es wäre schön, Tauschringe würden
• über das reine interne Tauschen hinaus eine größere Verbindung zur Stadt und Region
suchen und die Bedürfnisse an Nachbarschaftshilfe dort durch Entwicklung von
Tauschmöglichkeiten decken,
• den Vorsorgecharakter der Zeitbanken auch in Bereichen der Tauschringe möglich machen
und
• vielleicht doch eine sanfte Umlaufsicherung bei einem sehr hohen Kontostand mit sehr
niedrigen Zinsen einführen.
Viele weitere Eindrücke, wie die über den Film über das Ökodorf 7Linden, über die leckeren
mitgebrachten Marmeladen- und Käsesorten und über die Weinberge in der Umgebung und
überhaupt das schöne Freiburg, kann ich hier leider nicht mehr ausführlich beschreiben.
Weitere Informationen über die bundesweite Tauschring-Szene findet ihr hier:
www.tauschwiki.de
http://batt-aktiv.de/index.html
http://www.batt-online.de/
http://www.tauschringadressen.de/
Und hier noch eine Linkliste der oben erwähnten Webseiten:
•Tausch-Systeme Bibliothek:
www.cc-literature.de
http://www.sein.de/news/2012/april/die-regionalwaehrungen-in-griechenland-wachsen.html
http://batt-aktiv.de/agenda_2014.html
• www.treffpunkt-freiburg.de
http://batt-aktiv.de/gib_und_nimm_lied.mp3
Dank nochmal allen, die an dem Kongress mitgewirkt haben. Es war ein sehr schönes Erlebnis!
Kleiner Nachtrag: ausführliche Beiträge über das österreichische und Schweizer Tauschringsystem
findet man in Dorinas inzwischen stattgefundener Radio-Sendung im Münchener Lokalradio Lora:
http://www.tauschring-muenchen.de/sendung_vom_12_06_2014.mp3
Und das köstliche täglich aus Bad Krozingen gebrachte frisch gebackene Brot und die tolle Torte
aus dem Münstertal muss ich unbedingt auch noch erwähnen!
Links zu weiteren Fotos und den Unterlagen der einzelnen Veranstaltungen werden bald auf der
Webseite
www.batt-aktiv.de
und im Tausch-Wiki zu sehen sein.


Alles Liebe sendet Anke aus Düsseldorf Stand: 14.7.2014