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Tauschring-Termine

- Stammtisch:
Fre., 31. Mär, 19:30 - 22:00 Uhr
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ZART-Entwicklungs-Werkstatt in Österreich
Geschrieben von: R. Hartmann   

Am 14. Juli 2012 fand im österreichischen Vorarlberg in der Gemeinde Dornbirn die diesjährige ZART-Entwicklungswerkstatt statt. ZART ist dabei ein Oberbegriff für ein Dreiländer-System zur Verrechnung von Buchungen zwischen Tauschringen (Clearing). Daneben ist es insgesamt eine Plattform, um die Qualitätssicherung der deutschsprachigen Tauschringe zu verbessern und Impulse zur weiteren Entwicklung und gegenseitigen Vernetzung zu liefern.ideen

 

Vom Freiburger Talent-Tauschring machten sich Jörn Gehringer und Romin Hartmann in aller Frühe mit einem angejahrten und fast standesgemäß im Internet geliehenen bzw. geteilten Gefährt auf den Weg, um pünktlich um 9 Uhr am Marktplatz von Dornbirn im dortigen Gemeindezentrum anzukommen. In den angenehmen Räumlichkeiten stießen sie auf knapp 20 andere Tauschring-Aktive besonders aus Österreich, aber auch aus Deutschland und der Schweiz. Bereits in der Vorstellungsrunde zeigte sich das Potential des Erfahrungsaustausches durch die Vielfalt der Themen und aktuellen Entwicklungen, die von den TeilnehmerInnen angesprochen wurden.

 

In einem ersten Brainstorming suchten die Anwesenden Themen oder Fragen, die ihnen aktuell für eine weitere Bearbeitung unter den Nägeln brannten. Nachdem diese in eine gewisse Ordnung gebracht waren, fanden sich kleine Teams zusammen, um in Workshops Antworten und Lösungen zu erarbeiten, wobei die Methode der kollegialen Beratung als mögliche Arbeitsform genutzt werden konnte.

 

tischrunde 

Dabei ging es um sehr praktische Anliegen wie die ersten Schritte oder wichtige Aspekte bei der Gründung eines Tauschrings. Daneben war für ältere Tauschringe – wie für uns Freiburger – die Frage des Umgangs mit Altlasten interessant. Wie verfährt man mit Karteileichen, Mitgliedern im dauerhaften Talent- oder Euro-Minus oder auch einem Verwaltungskonto, das einen Schuldenstand angehäuft hat.

Sehr interessant waren auch die Fragen, wie sich eine Grund- oder Selbstversorgung besser durch Tauschsysteme verwirklichen lassen könnte. Dazu gab es konkrete Überlegungen aus dem TeilnehmerInnenkreis, bei denen eine angestammte Liefergemeinschaft von Biobauern mit einer Tauschkomponente versehen werden sollte. Hierbei kreiste die Thematik schnell um Grundsätzliches, wie die Typologie von Währungssystemen und grundsätzliche Rechts- und Haftungsfragen. Gerade bei der Verbindung der eher Euro-orientierten Wirtschaft mit dem mehr Leistungsorientierten Tauschwesen können schnell Ungleichgewichte entstehen, indem Produkte gerade der Grundversorgung schneller nachgefragt werden, als von Tauschring-TeilnehmerInnen Arbeitsleistungen oder nötige Grund-Rohstoffe zur Verfügung gestellt werden könnten. Diese Frage begegnet in den Tauschkreisen selbst, aber sie spielt natürlich besonders bei der oftmals angedachten Verknüpfung von Regionalgeld-Systemen mit Tauschringen eine Rolle. Entsprechend waren bei den anschließenden Besprechungen im Plenum die verschiedenen Modelle oder Clearingssysteme interessant, mit denen diese nötigen Verknüpfungen zumindest denkbar wären. Wobei zur Verhinderung der genannten Ungleichgewichte vor allem die Kommunikation zwischen den Systemen, aber mehr noch klare und oftmals nicht sehr beliebte Regeln von großer Bedeutung sind.

gernot

 

Neben diesen teilweise (noch) eher theoretischen Überlegungen wurden auch konkrete Ansätze einer besseren Vernetzung von verschiedenen Tauschkreisen bearbeitet, während sich weitere Arbeitsgruppen auch um die Einwirkung auf politische Entscheidungsträger oder die Imagebildung und Markenpflege von Tauschringen kümmerten. So spielen teilweise die gewachsenen Namen und Begriffe, mit denen sich Tauschsysteme oder Tauschwährungen benennen, auch eine Rolle bei der öffentlichen Wahrnehmung oder Beurteilung solcher Phänomene. Das lässt sich vielleicht beispielhaft daran ablesen, dass sich der Tausch-Verein „Time Sozial“ aus Oberösterreich in „Wir gemeinsam“ umbenannt hat, was eher die ganzheitlichen Aspekte der Idee deutlich werden lässt, indem der Bezug zur Gemeindearbeit, Nachbarschaftshilfe und regionalen Wirtschaft stärker betont wird.

 

essen

Zwischen den intensiven Diskussionen unternahm „Küchenfee“ Dorothee vom Tauschring Lindau-Wangen Einiges zur „Grundversorgung“ der Teilnehmer. Neben Kirschen, leckeren Backwaren und einem mittäglichen Reisgericht wurde ein Eis-Frucht-Dessert mit dem geheimnisvollen Namen „Rote Rita“ angerichtet. Das gab auch den richtigen Rahmen für die Netzwerkbildung und den direkten Austausch der TeilnehmerInnen. Dabei konnten einige technische Fragen um unser Online-Buchungssystem „Cyclos“ geklärt werden, wobei für uns sehr praktisch war, dass der (bisher nur per Mail und Telefon bekannte) Hoster unserer Cyclos-Instanz auch an dem Treffen teilnahm. So konnten wir uns zum Beispiel aus erster Hand informieren, ob wir das Buchen per WAP oder SMS eventuell in naher Zukunft ermöglichen wollen.

 

 

volkerAls positiv erwies sich auch, dass zwei VertreterInnen aus dem Veranstaltungsteam des diesjährigen Bundesarbeitstreffens der Tauschsysteme (BATT 2012, eine nähere Ankündigung folgt demnächst) vom Freitag, den 28. bis Sonntag, den 30. September 2012 im hessischen Büdingen anwesend waren (ausgerichtet von „Gib und Nimm Büdinger Land“). So konnten gleich einige organisatorische Fragen, aber auch wichtige Wünsche und Anliegen im Bezug auf das Koordinierungstreffen besprochen werden. Dabei war der Eindruck überwiegend, dass viele gute Initiativen und Ansätze auf Bundesebene in der Vergangenheit häufig versandet sind, so dass danach wieder relativ von vorne begonnen werden musste. Davon zeugen auch verschiedene veraltete Seiten im Internet. Die beginnende Strukturbildung für das diesjährige Bundestreffen soll deshalb nachhaltig zum Aufbau eines Pools von Informationen genutzt werden. Weil gerade die Adressverzeichnisse der Tauschringe eine wichtige Grundlage für den Kontakt und die Vernetzung sind, ist geplant, dass diese in Zukunft möglichst zentral gepflegt und veröffentlicht werden. Hierzu wurde überlegt, die aktualisierte Tauschring-Kontaktliste des BATT-Orga-Teams nach Klärung einiger praktischer und rechtlicher Fragen auf der Webseite von ZART zur Verfügung zu stellen, so dass dort spätestens zum Bundestreffen die Adressen aller deutschsprachigen Tausch-Systeme zu finden wären! Eventuell würde dazu auch noch eine Übersichtskarte erstellt.

Nachdem über den intensiven Austausch das offizielle Ende von 17 Uhr schon weit überschritten war, wurden in einer Abschlussrunde noch die nächsten konkreten Schritte und Aktionen der Anwesenden thematisiert. Für uns war dabei besonders die Nachbereitung und Sicherung der Ergebnisse des Treffens wichtig (besonders durch Jörn), aber natürlich auch die Impulse und Anregungen für das südbadische Tauschring-Regiotreffen am Rande unseres Sommerfestes am Samstag, den 21. 7. 2012.

 

joern-oli

Als zentrale Neuerung für alle TeilnehmerInnen kann eine erweiterte Funktion in Cyclos festgehalten werden: Gerade der Austausch zwischen verschiedenen Tauschringen lebt vom Wissen über die unterschiedlichen Angebote, wobei nur der geringste Teil eine überregionale Bedeutung hat. Dies wurde nun dahingehend gelöst, dass diese Anzeigen tagesaktuell auf der zentralen ZART-Seite abgerufen werden können. Diese Möglichkeit steht noch am Anfang und wird beim Talent-Tauschring auch erst noch freigeschaltet (und mit einer gezielten Mitgliederinformation verbunden), aber sie bietet viele Möglichkeiten: Beim Aufgeben eines Inserates kann man / frau anklicken, dass dieses überregional veröffentlicht werden soll, wodurch es auf der zentralen Angebotsseite landet und über das ZART-Clearing abgerechnet werden kann. Das Besondere dabei: Die inserierenden Personen bleiben anonym, können aber über einen Button per Mail erreicht werden, so dass die Kontaktaufnahme relativ charmant gelöst wurde. Diese Möglichkeit kommt vor allem für Urlaubs- und Übernachtungsangebote in Frage, aber auch für Online-Tätigkeiten, kulturelle Darbietungen, Telefon- und Skype-Beratungen, Mitfahrgelegenheiten und besondere Produkte, bei denen sich eine CO2-neutrale Versendung lohnen könnte.

 

Alles in allem war es also ein sehr lehrreiches und intensives Treffen, so dass alle TeilnehmerInnen froh waren, als Moderator Gernot Jochum Müller von ZART und vom Tauschkreis Vorarlberg die Fortsetzung der Entwicklungswerkstatt im Juli 2013 verkündete. Entsprechend fuhren auch Jörn Gehringer und Romin Hartmann wieder Freiburg und dem einsetzenden Abend entgegen und verarbeiteten die vielfältig gesammelten Eindrücke und Ideen gerade im Hinblick auf das Tauschen in Südbaden und dem Dreiländereck.

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